Für Sie als Einzelhändler ist es wichtig, zu wissen, wie profitabel Ihre Verkaufsfläche ist. Eine der Kennzahlen ist die Flächenproduktivität. Sie wird definiert als Umsatz pro Quadratmeter Verkaufsfläche. Dabei wird der Bruttoumsatz einschließlich Mehrwertsteuer ins Verhältnis gesetzt zur Fläche des Geschäfts, die für den Kunden zum Einkauf zur Verfügung steht (also inklusive Gänge, Kassenzone, Aktionszonen und Bedientheken), und für einen festen Zeitraum betrachtet, meistens ein Jahr.
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Die Schlüsselkennzahl für erfolgreiche Flächenplanung
Bis in die 1990er Jahre war die Flächenproduktivität die wichtigste Kennzahl im Einzelhandel, denn es war die Zeit der großen Expansionen von Supermärkten und Einkaufszentren. Die Händler nutzten sie als Maß für die Standortplanung, den Filialvergleich und die Sortimentssteuerung.
Aber die Kennzahl hat ein paar Schwachpunkte:
- Sie bildet die Inflation nicht ab, denn ihr Wert steigt, selbst wenn nur der Preis der Ware angehoben wurde.
- Ein Vergleich ähnlicher Betriebe ist möglich, aber der Vergleich unterschiedlicher Branchen kaum: Beispielsweise kann ein Juwelier die doppelte Flächenproduktivität eines Möbelhauses haben, aber dennoch weniger profitabel sein.
- Selbst ein Vergleich der Warengruppen ist nicht aussagekräftig: Betreuungsintensive Waren, hochpreisige Waren oder Schnelldreher erzielen unterschiedliche Kennzahlenwerte.
Deshalb wird die Flächenproduktivität nicht mehr isoliert betrachtet. Sicherlich ziehen auch Sie vermehrt ertrags- und kundenbezogene Kennzahlen hinzu wie
- den Rohertrag bzw. Deckungsbeitrag pro Quadratmeter,
- den Ertrag pro Quadratmeter,
- den Umsatz pro Kunde (Warenkorb),
- die Umwandlungsquote (Kundenfrequenz) sowie
- den Anteil aus Omnichannel.
Die Profitabilität hängt an vielen Faktoren wie Sortiment und Menge, Personal, Miete, Fläche und Lager, Marge und Kapitalbindung.
Vom Planungswert zur Steuerungsgröße: So wird die Kennzahl heute genutzt
Dennoch ist die Flächenproduktivität nach wie vor eine beliebte Kennzahl. Sie ist leicht zu errechnen und zu verstehen. Sie zeigt Ihnen, welchen Umsatz Sie auf einer gewissen Fläche erzielen, und das ist entscheidend, denn Ihr Ziel ist sicherlich auch, Ihre Verkaufsfläche optimal zu nutzen. Jeder Quadratmeter ist kostbar, und die Aufwendungen für Miete, Energie, Personal, Lager und Büro etc. müssen erwirtschaftet werden.
Sie können die Flächenproduktivität zum Vergleich Ihrer Filialen oder innerhalb Ihrer Branche heranziehen und sehen, wo Sie stehen und ob es Verbesserungspotenzial gibt.
Konkretere Schlussfolgerungen sind möglich, wenn Sie die Flächenproduktivität zwischen Ihren Abteilungen oder Warengruppen vergleichen. Damit wird die Kennzahl zum
- Steuerungselement für Ihr Sortiment
- und für Ihre Flächenplanung
- und dient auch der Erfolgskontrolle.
Typische Flächenfehler und ihre Vermeidung
Unabhängig von einer Kennzahl können Sie manche Fehler bei der Ausstattung und Bestückung Ihres Ladenlokals von Anfang an vermeiden:
Orientierung:
- Mit Hinweisschildern, Lageplan oder einer farblichen Markierung sowie dem Bodenbelag weisen Sie darauf hin, wo eine Abteilung ist, wie man hinkommt oder ob man sich in ihr befindet. → Kunden finden schnell und sicher, was sie suchen.
- Ihr Laden ist gut ausgeleuchtet, nicht kaltweiß oder grell. Wählen Sie die Lichtfarbe passend zum Sortiment, beispielsweise gibt es spezielle Leuchten für Obst oder für Gemüse, für Brot oder für Käse. → Farbe und Stimmung wirken verkaufsfördernd.
- Bepreisen Sie Ihre Ware unaufdringlich, aber sichtbar. → Damit bauen Sie Kaufbarrieren ab.
- Geben Sie Infos zur Ware oder fügen Sie (abrufbare) Zusatzinformationen an. → Die „stillen Verkäufer“ bei Fachkräftemangel.
Wegeführung:
- Die Wege sind breit genug und nicht mit Ware zugestellt. Ein Einkaufswagen passt hindurch; bestenfalls gehen zwei aneinander vorbei. Bauen Sie auch Raum ein, um Einkaufswagen abzustellen, etwa an der Frischetheke. → Der Kunde kann jederzeit alle Sortimentsbereiche erreichen.
- Denken Sie an Abkürzungen oder Direktwege für eilige Kunden; sie stranden nicht in einer Verkaufsnische und ziehen dann verärgert ab.
Erreichbarkeit:
- Achten Sie bei den Maßen Ihrer Ladeneinrichtung, dass Kunden alles gut sehen und erreichen können. Zu hoch platzierte Ware verkauft sich genauso schlecht wie Ware, für die sich der Kunde zu weit bücken muss, und Ware, die ganz hinten im Regal verschwindet. Eine Maßnahme sind Regalordnungssysteme, die die Produkte immer in die vorderste Reihe schieben. → Was gesehen wird, wird auch gekauft.
- Schlecht einsehbare oder kaum begehbare Winkel eignen sich wenig für den Verkauf. Nutzen Sie diese Flächen für Kaffeeinseln, Ruhezonen, Spielecken etc.
- Briefen Sie Ihre Mitarbeiter, Warteschlangen an Bedientheke oder Kasse nicht zu lang werden zu lassen. Stellen Sie genügend Personal ab. Richten Sie eine Nummernvergabe ein, um Unmut in der Schlange zu vermeiden und Ihre Mitarbeiter zu entlasten.
Sortimentsstrategie:
- Planen Sie genau, wo Sie margenstarke Ware, Schnelldreher, Eigenmarken, Schlüsselsortimente und Impulsware platzieren. Nutzen Sie die Verkaufsstärke von Wartezonen und Aufenthaltsbereichen gezielt für Sortimente.
- Vermeiden Sie Reizüberflutung durch übervolle Regale.
- Aber sorgen Sie auch dafür, dass Regale nie leer sind (oder geben Sie Infos dazu).
Wenn Ihre Kunden sich zurechtfinden, die Atmosphäre antreffen, die zu Ihrer Branche passt, und nicht ungeduldig warten müssen, bleiben Sie länger und kaufen sowohl überlegt als auch spontan.
Versteckte Potenziale auf der Verkaufsfläche
Laufwege:
- Wenn ein Produkt sichtbar ist, wird es auch gekauft. Das gilt insbesondere im Lebensmitteleinzelhandel. Deshalb ist es sinnvoll, die Kunden so durch Ihr Geschäft zu führen, dass sie möglichst viel von Ihrem Sortiment mitbekommen. Ikea hat die Wegeführung als Rundkurs auf die Spitze getrieben. Dennoch sind etwas versteckt auch Abkürzungen für eilige Kunden, Terminkunden oder Abholer eingebaut.
- Die meisten Kunden mögen es, einem Rundweg zu folgen, weil sie sich gern inspirieren lassen. Eine höhere Verweildauer ist meistens auch mit einem volleren Einkaufswagen verbunden.
Zonierung:
- Ermöglichen Sie Ihren Kunden gleich am Geschäftseingang, sich zu orientieren. Dort nimmt der Kunde Angebote nur unbewusst wahr, denn er möchte sich zuerst einen Überblick verschaffen. Optimal dafür ist das Arena-Prinzip, bei dem das Verkaufsmobiliar in der Höhe gestaffelt stehen, die höchsten Regale rücken an die Wände bzw. in die hinteren Geschäftsteile. Damit halten Sie auch während des Einkaufs Sichtachsen frei, die den Kunden Sicherheit bieten.
- Um Ihren Kundenstrom zu lenken, platzieren Sie die wichtigsten Waren – im LEH sind das beispielsweise Brot oder Milch – im hinteren Teil Ihres Ladens. Dann steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Ihre Kunden viel von Ihrem Sortiment sehen. Je besser ein Kunde ein Produkt wahrnimmt, umso eher kauft er es.
- Und wenn dann der Weg zu den gefragtesten Produkten gegen den Uhrzeigersinn führt, nutzen Sie zudem geschickt eine Eigenschaft der meisten Menschen, nämlich intuitiv eher nach rechts zu blicken und zu greifen, weil sie Rechtshänder sind. Das bedeutet, dass Sie rechts im Gang bevorzugt attraktive oder margenstarke Produkte platzieren sollten.
- Nicht alle Bereiche Ihres Geschäfts sind gleich stark frequentiert. Aber Sie können Zonen mit weniger Kundenzulauf beleben, indem Sie dort häufig gesuchte Waren, emotionale Produkte, reizvolle Sonderangebote oder gern genutzte Servicepunkte platzieren. Fördern Sie die Attraktivität der Flächen durch Lichtakzente, durch die Farbgebung, durch Kundenstopper und aufmerksamkeitsstarke Displays.
Platzierung und Aktionsflächen:
- Impulswaren erfüllen die Bedürfnisse „Belohnen“, „Erfrischen“ oder „Erinnern“. Deshalb sind bevorzugte Platzierungen Wartezonen wie Bedientheken oder Servicepunkte. Die beste Position ist der Kassenbereich – übrigens auch noch bei Self-Scan-Kassen! Hier verkaufen sich besonders gut Süßwaren und Kleinigkeiten sowie Ware in Kleingebindegrößen. Sie haben eine hohe Flächenproduktivität.
- Cross Selling ist ein anders Stichwort, was bedeutet, dass Sie ergänzende Waren nebeneinander platzieren sollten, etwa Nudeln und Soßen, Schuhe und Putzmittel oder Pflanzen und Übertöpfe. Ideal ist es, wenn Sie Themenwelten schaffen können, die inspirieren und zum Kauf verführen. Nicht immer reicht der Platz oder eignet sich das Sortiment, aber eine Themeninsel sollte dennoch drin sein.
- Der „Rechtsdrall“ führt auch dazu, dass sich die Kunden gleichmäßiger und flüssiger durch den Laden bewegen und nicht gegenseitig behindern. Bauen Sie gezielt Aufmerksamkeitspunkte ein, die Kunden zum Verweilen bringen, beispielsweise an Gangkreuzungen: Displays mit Aktionsware, saisonale Produkte oder Spezialangeboten sollen zum Spontankauf margenstarker Produkte verführen. Wechseln Sie die Angebote regelmäßig, weil das auch wiederkehrenden Kunden einen neuen optischen Reiz bietet.
- Nutzen Sie die Möglichkeiten modularer Ladenbausysteme für Ihre Warenpräsentation. Beispielsweise können Sie nicht nur die Platzierung, sondern auch die Positionierung verändern.
- Wenn Sie einige speziellen Waren auf Paletten oder in Verkaufsschalen präsentieren, wirkt es, als wären sie limitiert und ein besonderes Schnäppchen, was Begehrlichkeit auslöst.
- Besonders verkaufsstarke Aktionsflächen sind die Kopfseiten der Regale an Ihren Hauptwegen. Nutzen Sie diese Flächen mit hoher Produktivität für Zweitplatzierungen. Aber präsentieren Sie dort nur margenstarke Produkte.
Nicht überall lässt sich solch ein Idealfall umsetzen. Der Grundriss, die Größe der Verkaufsfläche, die Verteilung der Türen oder Pfeiler, aber auch das Sortiment oder die Zielgruppe erfordern einen geschäftsspezifischen Ladenplan.
Maßnahmen zur Verkaufsoptimierung
Kommen wir zurück auf die Flächenproduktivität: Allgemein gilt, dass ein Fünftel Ihrer Warengruppen zusammen fast drei Viertel Ihres Umsatzes erzielen. Sie sollten also immer verfügbar sein sowie die beste Platzierung und Präsentation bekommen.
Die Zahlen zeigen Ihnen, welche Ihrer Warengruppen sehr erfolgreich sind, welche durchschnittlich abschneiden und welche eher schwach sind. Das führt Sie zu der Überlegung, ob Sie Ihren
- Topsellern mehr Fläche einräumen können und
- das bestenfalls an verkaufsstärksten Platzierungen, wie Hauptwegen, Stirnseiten oder Sichtzonen.
Dafür muss dann eine andere Warengruppe weichen. Das bedeutet nicht zwangsläufig, dass Sie sie ersatzlos streichen. Nutzen Sie stattdessen folgende Stellschrauben:
- Haben Sie die richtigen Produkte in dieser Warengruppe für Ihre Zielgruppe?
- Ist die Platzierung falsch, weil die Kunden dort nicht danach suchen?
- Sind die Produkte zu teuer? Gibt es keine Impulskäufe?
- Können Sie die Präsentation aufwerten? Beispielsweise Cross-Selling-Flächen schaffen?
Ziehen Sie auf jeden Fall vor einer Entscheidung auch andere Kennzahlen heran, wie diese Beispiele zeigen:
- Eine Eigenmarke kann weniger Umsatz erzielen, aber mehr Gewinn abwerfen.
- Bedientheken liefern hohe Deckungsbeiträge, verursachen aber hohe Personalkosten.
- Fleisch, Backwaren und Feinkost bringen hohe Erträge, sind aber aufwendiger in der Pflege.
- Auch Wein und Spirituosen haben hohe Gewinnspannen, aber brauchen viel Raum.
- Bio-Produkte haben Stammkunden, drehen aber seltener, weil sie hochpreisiger sind.
Erheben Sie bei saisonalen Warengruppen die Flächenproduktivität monatlich. Dann können Sie daraus ableiten, wann ein Trend einsetzt und Ihre Saisonware einen prominenten Platz benötigt.
Künstliche Intelligenz als Helfer in Echtzeit
Auf der Euroshop 2026 zeigten viele Aussteller, wie Künstliche Intelligenz heute bereits schnell und gründlich dabei helfen kann, die Produktivität zu optimieren. Eine Studie von NielsenIQ besagt, dass mehr als sieben Prozent des Umsatzpotenzials im Einzelhandel durch das Missverhältnis zwischen Verfügbarkeit und Sichtbarkeit der Produkte verloren gehen, weil Regale schlecht bestückt sind oder Artikel nicht auffindbar sind.
Eine Anwendung ist die KI-gestützte Regalüberwachung. Dabei erfasst die KI Daten in Echtzeit, erkennt Muster, vergleicht sie mit ihrem antrainierten Wissen und gibt Handlungsempfehlungen.
Als Händler müssen Sie sich zwar darauf einlassen, hochwertige Bestandsdaten zu liefern, können aber den Rahmen abstecken und die Strategie bestimmen. Dafür erschließt die KI Ihnen die Kundenlogik und ermöglicht Ihnen die schnelle Analyse, systematische Planung und Optimierung der Warenplatzierung.
Was die KI übernehmen kann:
- Sie erkennt Lücken im Regal und im Bestand/Lager.
- Sie löst automatisch Nachbestellungen aus.
- Sie gleicht die Produktplatzierung im Laden mit dem Plan/der Vorgabe ab. Außerdem erkennt sie falsch zurückgelegte Ware.
- Sie stellt inkorrekte Preisauszeichnung fest.
- Sie informiert die Mitarbeiter, die zielgerichtet hingehen können. Das entlastet das Personal und verkürzt die Reaktionszeit.
Eine andere Anwendung arbeitet mit einer CPU im Laden, die auf Signale von Mobilfunkgeräten reagiert. Damit registriert sie, welche Wege die Kunden nehmen und wo sie sich aufhalten. Daraus lässt sich ausmachen, wo welche Ware platziert werden sollte.
Checkliste zur Selbstanalyse
- Kunden führen
- Orientierung geben
- Laufwege vorgeben
- Sichtachsen schaffen
- Arena-Prinzip folgen
- Verweildauer erhöhen
- Atmosphäre schaffen
- Bremsbarrieren einbauen
- Themeninseln/-welten einrichten
- Waren platzieren
- für intuitiven Zugriff sortieren
- Zweitplatzierung nutzen
- Regale zonieren
- Produkte regelmäßig nachfüllen
- Ware auspreisen
- Warenkorb vergrößern
- Zusatzverkäufe generieren
- Impulsverkäufe anregen
- Verknappung signalisieren
- Schnäppchen-Gefühl hervorrufen
- Werbedisplays einsetzen
Quellen:
ehi.org/
welt-der-bwl.de/
smil-control.com/de/branchen/digital-signage-einzelhandel/verkaufsstarke-zonen/
ladenbau.de/
nielseniq.com/global/de/
euroshop.de/de/media-news/euroshopmag/retail-technology/ki-gestuetzte-regal-ueberwachung
Auswertung der Firmeninfos von Mindverse, Visionplatform, Solum, Vusion, ShelfView, Scandit, ariadne
Bildquelle:
Canva © sandrabertilla






